Herzinfarkt
Der Herzinfarkt trifft in den westlichen Industrieländern immer mehr Menschen. Rauchen, hoher Blutdruck oder Übergewicht gehören zu den Risikofaktoren. Ablagerungen im Gefäß platzen auf und verstopfen die lebenswichtige Röhre. Jetzt zählt jede Sekunde.
Der Herzinfarkt beginnt sein Werk langsam: Erst verfetten, verhärten und verkalken die Herzkranzgefäße und es bilden sich Ablagerungen (Plaques). Brechen sie auf, lagern sich Blutplättchen an und ballen sich zu einem Klumpen zusammen, der das Gefäß verstopft. Der Herzinfarkt entsteht durch einen akuten Verschluss eines herzversorgenden Gefäßes. Ursache ist in den meisten Fällen eine fortgeschrittene Arterienverkalkung (Arteriosklerose). "Etwa 280.000 Menschen erleiden jährlich einen Infarkt", sagte Prof. Hans-Joachim Trappe von der Ruhr-Universität Bochum der dpa. Rund 71.000 Menschen starben im Jahr 2001 daran, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Der Herzinfarkt sei eine der häufigsten Herzerkrankungen überhaupt. In den Industrieländern erlägen mehr weitaus mehr Menschen einem Herzinfarkt als jeder anderen Krankheit.
Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt zählt jede Sekunde, es muss sofort der Notarzt gerufen werden. Je schneller ärztliche Hilfe eintrifft, desto besser sind die Chancen, den Herzinfarkt zu überstehen. 40 Prozent aller Infarkte finden zwischen 6 bis 12 Uhr morgens statt. Etwa 30 Prozent aller Herzinfarkt-Todesfälle ereigneten sich in den ersten Stunden (Braunwald Heart, 5th edition, 1997)
Platzende Plaques
Hoher Blutdruck, Rauchen, Diabetes und hohe Cholesterinwerte sind einige Risikofaktoren für Arteriosklerose. Die Ablagerungen (Plaques) in den Blutgefäßen können besonders im Bereich der Herzkranzgefäße bedrohliche Folgen haben. Die Plaques werden im Laufe der Zeit instabil und brechen auf. Die meisten Infarkte entstehen durch das Aufbrechen einer Ablagerung an der Innenseite eines Herzkranzgefäßes. Dort bilden sich rasch Blutgerinnsel, die das Gefäß fast oder ganz verschließen können. Der Teil des Herzens, der von diesem Gefäß versorgt wird, bekommt keinen Sauerstoff mehr und stirbt nach einigen Stunden ab. Zurück bleiben Narben im Gewebe. Sie schränken die Herztätigkeit ein. Das Ausmaß der Schädigung des Muskels hängt davon ab, welches Gebiet des Herzmuskels von dem betroffenen Blutgefäß versorgt wird und wie lange die Unterversorgung anhält.
Bruststiche, Atemnot, kalter Schweiß
Ein akuter Herzinfarkt äußert sich als plötzlicher, sehr starker, dumpfer und einschnürender Schmerz in der Brust, der in den Oberbauch (mögliche Fehldeutung: Magenbeschwerden!) oder in den linken Arm, manchmal auch in den Hals und den Unterkiefer (mögliche Fehldeutung: Zahnschmerzen!) oder in den Rücken ausstrahlt. Atemnot, kalte Schweißausbrüche, Angstgefühl, Herzrasen und Übelkeit begleiten den Schmerz. Manche Patienten hatten schon vor dem Infarkt wiederholt Anfälle von Herzenge (Angina pectoris).
Bei Frauen kann es zu anderen Schmerzsymptomen kommen als bei Männern. Der Schmerz tritt manchmal diffuser auf und wird möglicherweise als Magenschmerz oder Verdauungsstörung fehlgedeutet. Das Risiko einer koronaren Herzkrankheit wird bei Frauen eher unterschätzt und der Herzinfarkt oft nicht sofort erkannt.
In etwa einem Fünftel aller Fälle treten keine Schmerzen auf ("Heart"). Man spricht von einem "stummen" Herzinfarkt. Bei Diabetikern kommt dies häufiger vor, da sie aufgrund diabetischer Nervenschädigungen eine geringere Schmerzsensibilität haben können.
Durch den Infarkt ist der Herzmuskel in seiner Tätigkeit eingeschränkt. Herzrhythmusstörungen, akutes Pumpversagen, eine plötzlich auftretender Herzklappenfehler oder ein Riss der Herzkammer sind gefürchtete lebensbedrohliche Komplikationen.
Kurvige DiagnoseZur Diagnosestellung werden im Krankenhaus eine Elektrokardiographie (EKG) zur Messung der Herzströme und eine Echokardiographie (Herzecho) zur Darstellung der Herzaktion durchgeführt. Gleichzeitig wird das Blut auf sogenannte Herz-Enzyme untersucht. Herzenzyme sind wichtig für die Stoffwechselfunktion der Herzmuskelzellen. Im Fall einer Herzmuskelschädigung treten sie aus den absterbenden Herzmuskelzellen vermehrt im Blut auf. Eine Herzkatheteruntersuchung gibt den Blick auf die Herzkranzgefäße frei. In manchen Fällen muss das betroffene Gefäß sofort aufgedehnt werden.
Verstopftes Gefäß öffnen
Die Behandlung erfolgt immer auf der Intensivstation, damit sich mögliche Komplikationen sofort behandeln lassen. Oberstes Ziel der Therapie ist, das verschlossene Gefäß so schnell wie möglich wieder zu eröffnen. Nur so lässt sich der Schaden am Herzmuskel gering halten. Hierfür gibt es verschiedene Methoden:
- Thrombolyse: Medikamente (Thrombolytika), die über eine Vene verabreicht werden, können das Blutgerinnsel im Herzkranzgefäß auflösen, wenn die Behandlung innerhalb der ersten sechs Stunden nach dem Infarkt beginnt. In 70-80 Prozent der Fälle lässt sich das Gefäß so wieder durchgängig machen ("Heart").
- Über einen Herzkatheter lässt sich das verengte Gefäß direkt aufgedehnen (Ballondilatation, PTCA) oder mit einer Gefäßstütze (Stent) versorgen. Etwa 90 Prozent der Gefäße lassen sich wieder öffnen (Harrison´s Prinziples of Internal Medicine, 14th edition, 1998).
Zur Basistherapie des akuten Herzinfarktes zählen auch:
- Schmerzmittel, wie z.B. Morpium, beeinflussen den Infarktverlauf günstig und können einen Schock positiv beeinflussen.
- Sauerstoff
- Acetylsalicylsäure-Präparate (ASS): Sie verhindern, dass sich noch mehr Blutplättchen in dem betroffenen Gefäß ablagern.
- Nitropräparate: Diese Medikamente erweitern die Herzkranzgefäße und verbessern die Durchblutung.
- Betablocker: Diese Medikamente verringern den Sauerstoffbedarf des Herzens. Dadurch muss das Herz weniger Pumpkraft aufbringen.
- ACE-Hemmer: Sie erweitern die Blutgefäße und können einer Herzschwäche vorbeugen.
- Bei Bedarf Beruhigungsmittel
Die Tage danach
Schon in den ersten Tagen nach dem Herzinfarkt beginnen die Patienten mit Krankengymnastik und Atemübungen. Körperliche Aktivität bringt den Kreislauf wieder in Schwung und hilft, weiteren Gefäßverschlüssen vorzubeugen. Nach einigen Wochen kann ein Herz-Kreislauftraining beginnen. Dieses Training ist aber kein Leistungssport. Empfehlenswerte Sportarten sind Wandern, leichtes Joggen, Rad fahren, Schwimmen. Ein individuelles Trainingsprogramm wird mit einem Arzt erarbeitet.
Es geht aber nicht nur darum, wieder körperlich fit zu werden, sondern ein bewusstes Verhältnis zur eigenen körperlichen Belastbarkeit aufzubauen und mit Stress umgehen zu lernen. Dabei helfen unterschiedlichste Entspannungstechniken, wie z.B. Atemübungen und autogenes Training. Ein Herzinfarkt bedeutet immer auch eine psychische Belastung. Nicht selten kommt es nach dem Herzinfarkt zu Depressionen. Hier kann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein, aber auch der Austausch mit Gleichgesinnten in einer Selbsthilfegruppe.
Nach einem Herzinfarkt sollte der Patient seine Herzfunktion und seinen allgemeinen Gesundheitszustand regelmäßig vom Arzt untersuchen lassen. Grunderkrankungen wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Nikotinsucht müssen konsequent behandelt werden.



